SALE. Diese vier Buchstaben haben sich in unser Bewusstsein eingebrannt wie Sonne auf heller Europäerhaut. Mittlerweile gehört die Vokabel zu unserem Standardwortschatz und zieht unsere Aufmerksamkeit so magisch an wie das Licht Mücken. Es ist überall, den lieben langen Tag wird man damit zugeknallt, denn Marketingmenschen haben schon lange verstanden: Ausdrücke wie „Reduziert“, „Sparen“ und „Schnäppchen“ locken grade modeverrückte Frauen verlässlich an und räumen alle Zweifel aus dem Weg. Man klebe einen roten Sticker auf den ursprünglichen Preis, schreibe auf das Schaufenster die vier Zauberbuchstaben und schon ist der Laden voll – garantiert!
Das würde mich ja grundsätzlich nicht weiter stören, wäre ich nicht indirekt selbst davon betroffen. Denn tatsächlich ist es doch so: Der Anreiz „SALE“ hat sich als so bombensichere Erfolgsgarantie erwiesen, dass er an allen Ecken zu finden ist – teilweise wird Kleidung überteuert ausgepriesen, damit beim SALE der wahre Verkaufspreis verlangt werden kann!
Schnäppchenliebling Zara ist inzwischen so dreist, dass die SALE-Ware grundsätzlich nur um 10€ herabgesetzt wird und somit ein überteuertes Hängerchen statt 79,99€ nur noch 69,99€ kostet – wow! Aber es funktioniert!
Die Kaufwütigen ignorieren Preis-Leistungs-Verhältnisse
…und sind einzig auf den Aspekt des vermeintlichen Sparens fixiert. So ein Blödsinn, meiner Meinung nach! Es nervt mich ungemein, dass die Leute immer wieder darauf reinfallen und in ihrem Wahn Dinge kaufen, die ihnen eigentlich nicht passen, gefallen und stehen. Mit dieser Strategie wird Ramsch überteuert verkauft, das ist das Endergebnis.
Besonders im Internet häufen sich die Banner mit SALE-Schriftzügen – gibt es online eigentlich noch Mode zum Normalpreis zu kaufen? Anscheinend nicht, würden die langweiligen schwarzen Preiszahlen doch eh im Meer der fettgedruckten roten Prozentzeichen untergehen. Mein Emailpostfach quillt über mit hochwichtigen „Reduzierte Markenware“-Mails, die nahezu den Appetit des Papierkorbs überfordern.
Liebe ist…beim Shoppen auch mal ein echtes Schnäppchen zu machen!
Darum sei allen Schnäppchenjägern auf ihrem mutmaßlichen Weg zum Shoppingglück ein Rat mitgegeben: Meint ihr nicht, es hat einen Grund warum gerade Markenware „um 70% reduziert“ ist? Warum sollte eine Firma ihre Verkaufsschlager auf einmal zum Dumpingpreis anbieten? Wäre doch eine ökonomische Fehlentscheidung und schadet, gerade bei Luxusgütern, dem Image.
Es ist also vermutlich entweder fehlerhafte oder schlecht absetzbare Ware, die uns unter einem großen Namen zum Niedrigpreis angeboten wird. Es mag Ausnahmen geben, natürlich. Wer wirklich schon lange die fliederfarbende Lacklederclutch im Auge hatte und diese aufgrund von geringer Nachfrage um die Hälfte reduziert ist, der hat wirklich das Glück, einen wenig geteilten Geschmack zu besitzen und ein echtes Schnäppchen zu machen.
Ist SALE nun gänzlich böse?
Reine Blendung der Shopaholics? Na, sagen wir mal, des Öfteren. Dennoch gibt es auch vereinzelt Shops, die Basicartikel reduziert anbieten, was gleich ein anderes Licht auf die Sache wirft. Ein weißes T-Shirt aus hochwertigem Material bleibt auch nächste Saison noch „Trend“. Da ist nicht dran zu rütteln. Und wenn der Originalpreis von Prada dafür unverschämt hoch ist, bricht sich niemand einen Zacken aus der Krone, indem er es um die Hälfte reduziert kauft. Da mache sogar ich als bekennende SALE-Verabscheuerin eine Ausnahme. Ausnahmsweise.
Quellen: Bild 1: Mau-Fashion.com Bild 2: Bloggang.com Bild 3: SalesManagement20.com Bild 4: Dilettante.de




